Der Ursprung
Als Frau des altlutherischen Pastors Heinrich Pieter Madaus nahm Magdalene Madaus (1857 - 1925) häufig an Krankenbesuchen teil. Sie kümmerte sich um die alten, die bettlägerigen und die gebrechlichen Mitglieder ihrer Gemeinde.
Als sie selbst einmal schwer erkrankte, besuchte sie den in Repelen am Niederrhein praktizierenden naturheilkundigen Pastor Emanuel Felke (1856 - 1926). Der "Lehmpastor" Felke therapierte sowohl mit klassischen Homöopathika als auch mit Mischungen aus mehreren homöopathischen Substanzen. Durch seine neue Untersuchungsmethode, die Augendiagnose, sollte Pastor Felke herausfinden, was Magdalene Madaus fehlte. Nicht nur die von Felke mittels Augendiagnose festgestellte schwere Gebärmutterentzündung heilte unter der homöopathischen Behandlung schnell aus, auch der an Kinderlähmung erkrankte Sohn Hans lernte unter Felkes Therapie wieder laufen.
Felke führte Magdalene Madaus in die Homöopathie ein, die er als Arzneimitteltherapie - neben Licht- und Luftbädern, Wasserbehandlungen und Lehmpackungen - mit guten Ergebnissen anwandte. Obwohl selbst Anhänger Hahnemanns und Praktiker der klassischen Homöopathie, verordnete er chronisch Erkrankten häufig mehrere Arzneistoffe gleichzeitig, von deren "komplexer Wirkung" er überzeugt war.
Felkes Heilerfolge beeindruckten Magdalene Madaus so sehr, dass sie zu seiner begeisterten Schülerin wurde. Schließlich machte Felke sie auch mit der Augendiagnose vertraut. Magdalene Madaus übernahm seine Idee, das "Rezept aus dem Auge." Magdalene Madaus erkannte schnell, dass Augendiagnose und "Felke'sche Komplextherapie" eine untrennbare Einheit bilden. Sie wusste aber auch, dass Felke nicht der einzige war, der mit derartigen Komplexmitteln arbeitete. In der eigenen Familie und im Freundeskreis überprüfte Magdalene Madaus die von Felke übernommenen Diagnosetechniken und erweiterte sie. Sie war es, die die zirkuläre Topographie in die Augendiagnose einführte. Damit wurde es für den Therapeuten möglich, so genannte "Organplätze", d. h. Punkte zu bestimmen, die auf Krankheiten oder Störungen an bestimmten Organen hinweisen. Magdalene Madaus bezog außerdem die Konstitution des Patienten, seinen Körperbau, seine Hände, seinen Gang, die Art, wie er sich gab, wenn er mit dem Therapeuten redete, und vieles mehr in ihre Beobachtungen ein und entwickelte hieraus die Iris-Konstitutionen.
Der Beginn der Lehre
Ihren über Jahrzehnte angesammelten reichen Erfahrungsschatz hinterließ Magdalene Madaus in ihrem "Lehrbuch über die Irisdiagnose", dessen erste Auflage 1916 in Bonn erschien. Die therapeutischen Erfahrungen von Magdalene Madaus wurden von ihrer Tochter Eva Flink (1886 - 1959) weiter ausgebaut und mündeten schließlich in der Gründung einer Schule für Iridologen in Dresden. In Kursen und Vorträgen verstand Eva Flink es, Heilpraktiker, an der Naturheilkunde interessierte Ärzte und die eigenen Mitarbeiter zu überzeugen. Ihre Kurse dauerten damals drei Monate. Eva Flink erreichte auf dem Gebiet der Augendiagnose eine solche Fertigkeit, daß es ihr ähnlich wie Felke gelang, die notwendige Therapie direkt aus der Iris des Erkrankten abzulesen.
Der Begründer
Auch der spätere Begründer des Uslarer Kreises (Verein zur Förderung der Augendiagnose), Ernst Hugo Kabisch, war Hospitant bei Eva Flink (Tochter von Magdalene Madaus). Er hatte sie in "Flinks Lehrinstitut System Madaus" in Dresden-Striesen kennengelernt und gehörte von 1928 bis 1939 zu ihren Schülern. Er brachte als erster die Augendiagnose in ein gut überschaubares System. Ihm ging es jedoch nicht nur um die Diagnose, sondern auch um die Therapie. Kabisch verfeinerte die Methode, das "Rezept aus dem Auge" abzulesen, indem er die Bedeutung der Irispigmente erforschte und in seine Betrachtungen mit einbezog. Als erster Augendiagnostiker gab Kabisch eine Pigmenttafel heraus, die von grundlegender Bedeutung für alle wurde, die diese Methode anwandten. Kabischs Wunsch war es, die gesammelten Erfahrungen und die in einem reichen, der Heilkunde gewidmeten Leben gewonnenen Erkenntnisse den Kolleginnen und Kollegen zugänglich zu machen. Zunächst war der Uslarer Kreis eine reine Interessensgemeinschaft für gemeinsame Fachfortbildungen. Neben der Information über die Augendiagnose stand dabei vor allen Dingen der kollegiale Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Teilnehmer ständig zu.
Der Ort Uslar
Eng verbunden mit dem Uslarer Kreis war von Anfang an das Hotel Menzhausen. Das alte Fachwerkhaus, das sich der Jägermeister Jakob Fischer im Jahr 1576 vom Zimmermann Hermann hatte bauen lassen, hat trotz der Anpassung an moderne Standards seinen urigen, gemütlichen Charakter behalten. Ihr übriges tut die Atmosphäre der kleinen malerischen Stadt Uslar am Solling, einem Gebirgszug, dessen weite Wälder zum Wandern einladen. Sie vermittelt auch heute noch die Ruhe und Geborgenheit, die sonst oftmals in unserer hektischen Zeit fehlt. Die kleine Stadt Uslar am Rande des Solling war über 40 Jahre Tagungszentrum des Uslarer Kreises. Die Uslarer Bürger standen dem Treiben des Kreises anfangs etwas misstrauisch gegenüber; das legte sich jedoch, als sie feststellten, daß die Teilnehmer wirklich zum Lernen und Lehren in ihre Stadt gekommen waren. Schließlich hatte man sich so sehr an diese Gäste gewöhnt, dass man oft die Frage hörte: "Wann kommen denn die Augenkieker wieder her?"
Lehre mit Hindernissen
Die Voraussetzungen für derartige Zusammenkünfte und Vorträge waren allerdings damals nicht einfach. Moderne Kommunikationsmittel standen kaum zur Verfügung und ohne ein ausgeprägtes Improvisationstalent ging nichts. Schon bald hatte Kabisch erkannt, dass Vorträge über die Augendiagnose unbedingt auch Anschauungsmaterial benötigen, um dem Teilnehmer die nötigen Zusammenhänge zwischen Diagnose und Therapie vermitteln zu können. Glücklicherweise befand sich unter seinen Patientinnen eine zeichnerisch begabte Dame, die zudem noch das notwendige Verständnis für die neue Materie aufbrachte. Sie zeichnete die Papptafeln, auf denen die entsprechenden Irissegmente und die Irispunkte dargestellt waren. Hilfreiche Hände mußten diese Tafeln während der Vorträge hochhalten, damit die Besucher sehen konnten, um welche Erscheinungen an der Iris es sich handelte. Viele Stunden opferten Ernst Hugo Kabisch und seine Mitarbeiterin der Fortbildung der Kollegen und Kolleginnen. Mit Erfolg, wie die stetig steigenden Teilnehmerzahlen der Kurse des Uslarer Kreises zeigten. Bis Ende 1958 fanden in kurzer zeitlicher Folge Vorträge und Tagungen in Bad Lauterberg, Northeim, Nörten-Hardenberg, Blankenhagen, Moringen und anderen Orten statt. Der zweite diesen Kreis prägende Mensch war Fritz Ness. Er vereinigte bereits 1955 im niedersächsischen Raum ansässige Heilpraktiker und Ärzte zu gemeinsamen Fachfortbildungsveranstaltungen. Vier Jahre später bestimmte Fritz Ness die Stadt Uslar und hier das Hotel Menzhausen auch zum Tagungsort für seine schon sehr rege besuchten Veranstaltungen.



